Schweigende Steine

Schweigende Steine

Welche Farbe hat der Himmel?
Der Atem, der Leben bringt.
Ich warte hier wachsam denn,
Ich weiß, du kommst bestimmt.

Warum weint der kleine Engel?
Die kalte Luft, zitternde Beine.
Mir gehört nicht mein Körper,
Sagen die senkrechten Grabsteine.

Hörst du die Bretter knacken?
Ich knie auf der schmalen Brücke.
Woher? der Nebel am Berg.
Wohin? der Klang der Schritte.

Sage nur, wo ist das Fenster?
Durch das, das Licht hineinkommt.
Das Herbstfeuer in den Blättern,
Das Leerzeichen, das Wörter formt.

Erinnerst du dich an das Bild?
Draußen Frühling, dann Winter.
Ja, es hängt immer noch da,
Der Sturm und das Gewitter.

Soll ich dir etwas verraten?
Das Boot fährt auf Gischt.
Der Schatten einer Haselnuss,
Kleine Wege im Gesicht.

Was bringt mir das Wissen?
Die Berge waren immer da.
Ich habe nur den Anker geschmiedet,
Mit dir, beieinander, sehr nah.

Habe ich wieder weggeschaut?
Zärtlich ist dein Schatten und fein.
Das vergessen ist mein Leben,
Du lässt mich nie allein.

Gibst du mir noch die Hand?
Ohne Zeit kann ich nicht tanzen.
So unglaublich laut die Zugvögel!
Ohne Ort nichts einpflanzen.

Wartest du bitte so lange,
Bis meine Fußabdrücke verblassen?
Bis die schweigenden Steine endlich,
Mich für immer vergessen?


▪️

© xaratustrah, the angling philosopher – 2021-10-22

Mein Blick ist dein Blick

Mein Blick ist dein Blick

In den Himmel du Zweig,
Strecke dich und wachse!
In den Strahlen des Goldes,
Deine Knospen tränke!

Deine Sprache verlernt,
Überwinde ich mich,
Für einen Moment in der Schönheit,
Spüre ich dich.

Ich nehme Zuflucht zu mir,
Und schaue mich an.

Die Hymnen, die Noten,
Die erhabenen Zypressen,
Das Vertrauen, das sie mir geben,
Um sie gleich zu vergessen,

Die verborgene Zeit und wieder,
Ein zerbrochener Tonkrug,
Wo bleibt denn die Liebe?
Im vergänglichen Atemzug.

Ich nehme Zuflucht zu mir,
Und schaue mich an.

Reiche mir die Hand,
Hier! Hier entlang!
Ich bin es, ich bin’s nicht,
Im Herzen der Klang,

Die Einsamkeit mittendrin,
Vor den Augen nur leer,
Ich und wieder ich,
Das Boot und das Meer.

Ich nehme Zuflucht zu mir,
Und schaue mich an.

Du!
Entferne mich von dir,
Damit ich sehen kann!

Ja!
Trenne mich von mir,
Damit ich gehen kann!

Mein Blick ist dein Blick,
Ich schaue dich an.

▪️

© xaratustrah, the angling philosopher – 2021-03-13

Liebe, Raum und Zeit

Liebe, Raum und Zeit

Dort

Hoch in das Blau,
Trag’ ich das Ästchen.
Dir, uns, jetzt und hier,
Bau’ ich ein Nestchen.

Dich

Kann ich nicht sehen,
Du mich auch nicht.
Die dunkle Zweisamkeit,
Braucht nun kein Licht.

Denn

Uns verbindet die Liebe,
Dein Duft, meine Berührung,
Das Vergessen, das Erinnern,
Die Kunst der Verführung.

Doch

Ich erkenn’ dich wieder,
Im Zyklus der Zeit.
In der Wüste, im Wald,
Da weit und breit.

Darum

Frag’ ich nicht mehr,
Nach deinem Namen.
Nach dem Ort von dem,
Wir herkamen.

Dir

Geb’ ich nicht die Zukunft,
Mir gehört nicht die Zeit.
Schenken kann ich nur,
meine Vergangenheit.


▪️

© xaratustrah, the angling philosopher – 2021-02-24

Fußabdrücke im Schnee / Footprints in the snow

Fußabdrücke im
Schnee

Fußabdrücke im Schnee.
Sind es meine?
Entfernt von mir,
Von dir her,
Zeige mir nur, ich versteh’.

Eine Berührung im Fluss.
Bin ich weit gekommen?
Staub im Gesicht,
Schmerz im Knie,
Zeige mir nur, ich versteh’.

Das Rascheln des Goldes.
Kennen wir uns?
Brücken über die Vergangenen,
Sprünge nach vorn,
Zeige mir nur, ich versteh’.

Zeige mir nur, Zeige!
Wer, wenn nicht du?
Echo im Herzen,
Sichtbar von hier,
Wie weiße Fußabdrücke, im weißen Schnee.

Footprints in the
snow

Footprints in the snow.
Are they mine?
Distant for me,
Coming from you,
Just show me, I will know.

A touch in the flow.
Have I come far?
Dust in the face,
Pain in the knee,
Just show me, I will know.

Rustling of the gold.
Do I know you?
Bridges over the past,
Jumps forward,
Just show me, I will know.

Just show me, show!
Who, if not you?
Echo in the heart,
Visible from here,
Like white footprints, in the white snow.

▪️

© xaratustrah, the angling philosopher – 2021-02-13

Stern am Horizont

Stern am Horizont

Stern am Horizont,
Einen Blick,
Gewähre mir!
Einen Strahl,
Reiche mir!

Stern am Horizont,
Die Wärme,
Spür’ ich.
Den richtigen Ort,
Die genaue Zeit,
Kenn’ ich.

Stern am Horizont,
Die Kraft,
Die Hoffnung,
Entgeht mir.
Bruchstücke zehren,
Überall,
An mir.

Stern am Horizont,
Wohin,
Schau’ ich,
Zum Beginn,
Zieht’s mich.
Entfernt,
Von dir,
Vertraut,
In mir.

Reiche mir!
Am Horizont,
Und auch hier.
Gewähre mir!
In dir mich,
Verlier’ ich.

▪️

© xaratustrah, the angling philosopher – 2021-02-07